Besoffen auf Bahngleisen

Man stellt an die Bahn höhere Ansprüche hinsichtlich Pünktlichkeit als an jedes andere Verkehrsmittel. Zwanzig Minuten zu spät mit dem Auto? Na ja, da war eben ein Stau auf der Autobahn, da kann man nichts machen. Zwanzig Minuten zu spät mit der Bahn? Katastrophe, unerträglich, da sieht man mal wieder. Zwanzig Minuten zu spät mit dem Flugzeug? Das kommt gar nicht vor. Wenn ein Flugzeug zu spät kommt, dann gleich um zwei Stunden. Oder sechs. Oder acht. Und das Gepäck ist dann auch gleich noch verschwunden und taucht erst zwei Tage später wieder auf. Aber da sagt trotzdem keiner was. (Wahrscheinlich, weil man beim Fliegen immer froh ist, überhaupt heil wieder runtergekommen zu sein.)

Jedenfalls: Die Weiterfahrt des Zuges verzögere sich "wegen einer Schienenstörung", erfuhr man kurz vor Essen. Was denn eine Schienenstörung sei, fragte ich den Zugbegleiter, als der meine Fahrkarte knipste. Mein Bild war das sich in Metallkrämpfen windender Geleise, die jeden Zug kreischend abzuwerfen drohten. Tatsächlich handele es sich, erklärte er mir, um Betrunkene, die sich auf den Geleisen herumtrieben. "Ach so", sagte ich. "Na, das wäre doch interessant zu wissen."

Die nächste Durchsage lautete dann tatsächlich: "Wegen alkoholisierter Personen auf den Bahngleisen hat unser Zug derzeit eine Verspätung von zwanzig Minuten."