Im Zug nach Brest: letzte Etappe

Manchmal macht Reisen Spaß. Unterwegs zu sein bei schönem Wetter, in dünn besiedelten Zügen, ausreichend Zeit beim Umsteigen zu haben, um in einem annehmbaren Restaurant genau dann etwas zu essen zu bekommen, wenn man gerade Hunger hat, und wenn das dann auch noch überraschend gut schmeckt, und sei es nur, weil man gerade Hunger hat - dann reist man in einem Gefühl von Freiheit, von Unbeschwertheit, hat den Eindruck, mit den Dingen und Ereignissen zu fließen wie ein Blatt, das vom Wasser eines heiter plätschernden Baches davongetragen wird.

Doch irgendwann ist man müde, beginnt, sich unangenehm staubig und verschwitzt zu fühlen, wird allmählich steif vom vielen Sitzen und, ja, die Reise dauert dann einfach schon zu lange und man wäre froh, endlich da zu sein. Doch man ist es nicht. Womöglich ist das Ziel sogar noch weit entfernt, also schleppt man sich eben weiter, so gut es geht, was bleibt einem anderes übrig?

Und seltsamerweise genau dann tauchen weitere, vollkommen unnötige Widrigkeiten auf, als wären es gar icht die Zufälle, als die sie gelten, sondern fiese kleine Dämonen, die sich gezielt auf einen stürzen, als röchen sie die geminderte Widerstandskraft und den gesunkenen Mut: Genau dann wird man von einem Bettler nach dem anderen angemacht, genau dann taucht jemand mit einer unglaublichen Alkoholfahne auf und will einen belabern, genau dann wird man an der Theke des Imbissstandes erst mal übersehen und bekommt am Ende auch noch falsch herausgegeben.

Ein eigentümliches Phänomen. Warum ist das so? Ich denke immer, wenn man die Antwort darauf wüsste, würden sich noch viele weitere Rätsel des Daseins klären.

Vielleicht muss man deshalb immer wieder reisen: Um immer wieder aufs Neue mit diesem Phänomen konfrontiert zu werden.